Am 1.2.06 wurde von den Mitgliedern der Kreisstelle Essen der
Ärztekammer Nordrhein einstimmig eine Resolution verabschiedet, die
beispielhaft ist und alle ärztlichen Forderungen
zusammenfasst.
Wir dokumentieren hier die Resolution (unter
Weglassung des Essener Lokalbezugs) und fordern alle Leser, die sich
damit identifizieren können auf, über untenstehenden Link die
Resolution zu unterstützen.
RESOLUTION
1. Die Ärzte, ob in Kliniken, Praxen oder sonstigen
Einrichtungen tätig, fordern, die freie Arztwahl durch die
Patientinnen und Patienten beizubehalten und die Unabhängigkeit und
Freiberuflichkeit der Ärzte zu sichern. Nur die freie Arztwahl des
Patienten und ein von staatlicher Bevormundung unabhängiger Arzt
sind imstande, ein humanes Gesundheitswesen zu
gewährleisten.
2. Die Ärzteschaft fordert normale
Arbeitszeiten und international konkurrenzfähige Gehälter für die
Ärztinnen und Ärzte an den Kliniken sowie die Bezahlung aller
Überstunden und die Anerkennung von Bereitschaftsdiensten als
vollwertige Arbeitszeiten. Es ist unerträglich, wenn unbezahlte
Mehrarbeit im Umfang von 50 Mio Arbeitsstunden jährlich als
selbstverständliches Einsparpotential einer unaufrichtigen und
verfehlten Politik ständig fortgeschrieben wird.
3. Die
Ärzteschaft lehnt den überbordenden, überflüssigen und monströsen
Bürokratismus in Kliniken und Praxen ab. Es ist Ausdruck einer
ungeheuerlichen Fehlentwicklung, wenn Dokumentations- und
Verwaltungsaufgaben mehr ärztliche Zeit beanspruchen als die
Patientenversorgung. Es ist unerträglich, wenn kontrollverliebte
Bürokraten uns dies auch noch als "Qualitäts- und
Effizienzsteigerung" anpreisen wollen.
4. Wir fordern die
konsequente Sicherstellung einer ambulanten Hausärztlichen und
Fachärztlichen Versorgung durch unabhängige Ärzte sowie das Ende der
Budgetierung ärztlicher Leistungen. Wenn im Durchschnitt 30% der
Leistungen niedergelassener Ärzte nicht vergütet werden, so handelt
es sich nicht mehr um ein "Verteilungsproblem".
5. Wir lehnen
jegliche staatlich dirigierte, rationierte Einheitsmedizin nach dem
Prinzip von Fließbändern entschieden und kompromisslos ab. Eine
staatlich diktierte Listenmedizin vereinheitlicht in inhumaner Weise
ärztliche Behandlungen zu schematisierten Verfahren. Eine auf
Rationierung ausgerichtete Einheitsgebührenordnung mit staatlich
diktierten Dumpingpreisen wird von uns als Versuch eines Verbotes
qualifizierter Medizin entschieden bekämpft.
6. Die
Ärzteschaft fordert, das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und
Arzt zu stärken, anstatt es durch uneingestandene
Rationierungszwänge zu beschädigen. Für die Rationierung sollten
diejenigen gerade stehen und sich verantworten, die meinen, sie
anordnen zu müssen.
7. Wir lehnen daher jegliche Koppelung
des Verordnungsverhaltens der Ärzte an ihre Vergütung ab.
Bonus-Malus-Regelungen sind entwürdigende Versuche, die staatlich
erzwungene Rationierung unter Demontage der ärztlichen Integrität
heimlich umzusetzen.
8. Die Ärzteschaft lehnt die Abwälzung
des Morbiditätsrisikos unserer alternden Gesellschaft auf die Ärzte
entschieden ab. Über viele Jahre ist dies durch die Ärzteschaft
stillschweigend hingenommen worden. Nun ist die Grenze des
Zumutbaren überschritten.
9. Wir lehnen die Einführung der
"Elektronischen Gesundheitskarte" ab, so lange nicht klar ist, wie
der Datenschutz gewährleistet wird und so lange keine
nachvollziehbare Kosten-Nutzen-Analyse existiert. Wir lehnen den
gläsernen Patienten und den gläsernen Arzt kategorisch ab, da dies
das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient im innersten Kern
beschädigt und letztlich vernichtet. Und wer den wirtschaftlichen
Nutzen an der eCard hat, soll auch deren Kosten tragen.
10.
Die Ärzteschaft fordert die Einführung eines EU-konformen
Kostenerstattungssystems im deutschen Gesundheitswesen, damit der
Arzt wieder ausschließlich Anwalt seiner Patienten sein kann und
nicht zum Erfüllungsgehilfen einer staatlichen
Rationierungsbürokratie degradiert wird.
Und letztlich: In
einer Demokratie müssen alle Bürgerinnen und Bürger als mündig und
selbstverantwortlich ernst genommen werden. Dazu gehört notwendig
die Freiheit, über den Umfang der eigenen Gesundheitsversorgung frei
von Bevormundung durch Staat oder Kostenträger selbst und
eigenverantwortlich bestimmen zu
dürfen. | www.essener-resolution.de
| Rubrik: Freie Ärzteschaft |
Do, 16.02.2006 15:16 / HPM |
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